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Kinder an die Macht

Die Rheinpfalz vom 25.01.2012

Mit Theresa Lohse, Steffen Funck und Jan-Philipp Simon engagieren sich drei junge Leute politisch, die eines gemeinsam haben: eine Mutter, die selbst Politikerin ist. Wir haben mit den dreien über ihren Einstieg in die Politik und darüber gesprochen, warum sie alle sich im doppelten Sinn für die Mutterpartei entschieden haben.

Das prominenteste Beispiel ist Theresa Lohse. Die 29-jährige Tochter von Oberbürgermeisterin Eva Lohse ist 2004 von einem hinteren Listenplatz in den Ortsbeirat Süd gewählt worden - was sie selbst überrascht hat. „Und dann ging es Stück für Stück weiter”, sagt sie. Bis in den Stadtrat. Ihre politische Heimat hat sie schon als Jugendliche in der CDU und da zunächst in der Jungen Union (JU) gefunden: Seit zehn Jahren ist sie Kreisschatzmeisterin der JU. Das Thema Finanzen hat sie in dieser Zeit auch zu ihrem Beruf gemacht. Lohse studierte in Mannheim BWL, ist dort an der Uni Wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Steuer-Lehrstuhls und arbeitet derzeit an ihrer Promotion.

Lohse kommt aus einer Politiker- oder vielmehr Politikerinnenfamilie. Schon ihre Großmutter Hilde Müller-Tamm war Mitglied des Stadtrats, Eva Lohse wurde es 1994. „Ich weiß natürlich nicht, wie es gewesen wäre, wenn meine Mutter nicht aktiv gewesen wäre”, sagt die 29-Jährige. „Ich wurde schon durch sie herangeführt.” Am Ende sei es aber ihre eigene Entscheidung gewesen, betont Theresa Lohse. Natürlich sei es zeitaufwendig, sich neben einem Vollzeit-Job in der Politik zu engagieren. Aber es mache Spaß. Ein netter Nebeneffekt: Weil beide bei vielen Veranstaltungen sind, kann Theresa Lohse jetzt mehr Zeit mit ihrer Mutter verbringen. „Wir tauschen uns viel aus - wie Freunde”, sagt die Tochter. Seit das Ende ihrer Promotion in Sicht ist - Ende 2012 will sie fertig sein -, werde sie häufiger gefragt, ob sie sich die Politik nicht als Beruf vorstellen könne, erzählt sie. „Das ist schon ein Teil meines Lebens, den ich nicht aufgeben möchte”, sagt sie. Aber die Uni macht ihr auch Spaß. „Ich lasse mal alles auf mich zukommen.”

Im Stadtrat sitzt Theresa Lohse direkt neben Rita Augustin-Funck. Die Maudacher Ortsvorsteherin ist die Mutter von Steffen Funck, dem Vorsitzenden des JU-Kreisverbands Ludwigshafen. Ganz witzig: Das politische Engagement seiner Mutter begann etwa zeitgleich mit dem des 24-Jährigen und seines Zwillingsbruders Carsten, der Landesgeschäftsführer des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) Baden-Württemberg ist. „Unsere Familie ist schon katholisch-konservativ”, sagt Funck, der gerade sein Physikstudium in Heidelberg abgeschlossen hat. „Aber es war vor uns nie jemand besonders politisch engagiert.” Seine Mutter wurde 1999 in den Ortsbeirat gewählt, das Interesse der Söhne an Politik begann ein Jahr zuvor, im letzten Wahlkampf von Kanzler Helmut Kohl. „Politisch sind meine Mutter und ich ungefähr gleich alt”, sagt Steffen Funck und lacht. Seit 2005 ist er JU-Vorsitzender, 2004 kam seine Mutter für die CDU in den Stadtrat, seit 2009 ist sie zudem Ortsvorsteherin.

Am Küchentisch fänden seither relativ häufig Diskussionen statt, erzählt Funck. „Es gibt so etwas wie eine gegenseitige Beratung. Eine zweite oder dritte Meinung einzuholen, ist immer sinnvoll - erst recht von jemandem, der das Geschäft kennt.” Der Politik will er auch im Beruf oder während der Promotion treu bleiben, ob er auch mal eine aktive Rolle in der CDU spielen wird, weiß Funck nicht.

Die Mutter Stadträtin, Mundenheimer Ortsvorsteherin und Landtagsabgeordnete für die SPD, der Sohn Unterbezirksvorsitzender der Jusos - so sieht die Aufgabenverteilung bei Anke Simon und ihrem Sohn Jan-Philipp aus. „Ich hätte auch zu den Grünen oder zur FDP gehen können”, sagt der 20-Jährige. Mit den Jusos habe er sich aber am besten identifizieren können.

Kurz nach seiner Geburt ging seine Mutter die ersten Schritte auf dem Weg zur Politikerin. 1994 kam Anke Simon in den Ortsbeirat, 2004 wurde sie in den Stadtrat und zur Ortsvorsteherin gewählt, 2011 kam das Landtagsmandat. „Mit Politik bin ich aufgewachsen”, sagt Jan-Philipp Simon, der bereits mit sechs Jahren Plakate geklebt hat.

Die Entscheidung für das eigene politische Engagement sei aber weniger durchs Elternhaus geprägt gewesen, erzählt Simon, als durch seine Geschichtslehrerin am Theodor-Heuss-Gymnasium, die sein Interesse geweckt habe. Zurzeit absolviert er ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Arbeiter-Samariter-Bund und wartet auf einen Medizin-Studienplatz. „Ich würde sagen, ich bin konservativer als meine Mutter”, meint er. Was aber nie so weit ging, dass er mit einem Eintritt in die JU sympathisiert hätte. Die Gespräche mit seiner Mutter bezeichnet er als sehr angeregt: „Man hat verschiedene Perspektiven und ist nicht immer derselben Meinung.” Dinge aus dem Blickwinkel des Anderen zu sehen, sei für beide eine Bereicherung.


[25.01.2012]
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